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Der 1. Tag des #VDATK20: Der Weg zur CO2-freien Mobilität 2050

Die CO2-Regulierung der Europäischen Union gibt Vorgaben, wie Klimaschutz im Verkehrssektor aussehen soll. Doch welche Auswirkungen hat die Regulierung auf die Industrie und gibt es andere Wege zum Ziel? Experten aus Institutionen und Wirtschaft geben Antworten bei der Keynote-Session am ersten Tag des #VDATK20.

Europa muss bis zum Jahr 2050 klimaneutral werden – das fordert die Europäische Kommission. Das gilt auch für den Verkehrssektor. Wie das Ziel der Kommission erreicht werden kann, ist Thema einer Keynote-Session auf dem #VDATK20. Experten aus Industrie und Institutionen geben auf dem #VDATK20 einen Einblick, wie die Dekarbonisierung gelingen kann. Speaker sind Dr. Volkmar Denner, Vorsitzender der Geschäftsführung, Robert Bosch GmbH, Uwe Wagner, Vorstand Forschung und Entwicklung, Schaeffler AG, und Prof. Dr. Michael Hüther, Direktor und Mitglied des Präsidiums, Institut der deutschen Wirtschaft Köln.

Die CO2-Regulierungen der Europäischen Union für Pkw und Lkw sollen eine Leitlinie für mehr Klimaschutz vorgeben. Sind diese Vorgaben aber die richtige Antwort auf die Herausforderungen, die sich durch den Klimawandel ergeben? Prof. Dr. Michael Hüther zweifelt daran: „Auf globaler Ebene wurden die Leitlinien der Dekarbonisierung beschlossen, aus denen die EU schließlich rechtlich verbindliche Sektorziele abgeleitet hat. Den komplexen Zusammenhängen, die durch notwendige Maßnahmen gegen den Klimawandel adressiert werden müssen, können die sektoralen Ziele und Maßgaben jedoch häufig nicht gerecht werden. Dies gilt insbesondere für Klimaschutzziele und Flottendurchschnitte, denen sich die Automobilindustrie aktuell gegenübersieht.“

Laut Prof. Dr. Hüther sollte der Fokus auch auf dem Fahrzeugbestand liegen. Denn einzig mit neuen Fahrzeugen und dem Markthochlauf neuer Kraftstoffe, wie der Elektromobilität, kann die Dekarbonisierung des Verkehrssektors kaum erreicht werden, so der Direktor des IW Köln: „Klar ist, der Wandel hin zum Primärenergieträger Strom ist drängend, aber die konkrete Ausgestaltung bleibt ungeklärt. Selbst wenn Deutschlands wichtigste und innovativste Industriebranche konkurrenzfähige Alternativen für den Verbrennungsmotor auf den Markt und an die Kunden bringt, wird das kaum ausreichen, um das Klimaziel für 2030 zu erreichen. Hierfür muss auch der Fahrzeugbestand adressiert werden.“

Zudem gilt auch für neue und innovative Kraftstoffe: Nur durch nachhaltige Produktion können sie zur CO2-freien Mobilität beitragen. Das trifft auf die Elektromobilität genauso wie auf synthetische Kraftstoffe zu. Prof. Dr. Hüther dazu: „Die sektorale Logik der Klimapolitik dürfte dazu die Dekarbonisierung der Kraftstoffe erzwingen. Dem Klimaschutz ist aber nur dann gedient, wenn Strom bis dahin exklusiv aus alternativen Energiequellen gewonnen würde und die Produktion synthetischer Kraftstoffe nicht auf Kosten der Umwelt ginge.“ Weiteres, allerdings eher geringes Potenzial sieht er in einer Stärkung des Schienenverkehrs: „Auch die Verlagerung von Verkehr auf die Schiene wird ein Baustein sein, dessen Potenziale sich bis 2030 jedoch als überschaubar darstellen.“

Viele Wege führen zum Ziel, doch welcher Weg ist der richtige? Prof. Dr. Hüther sieht die aktuellen Entscheidungen der Klimapolitik für den Verkehrssektor kritisch und stellt eine entscheidende Frage: „Gerade mit Blick auf den Verkehrssektor versucht die Klimapolitik die Quadratur des Kreises. Wie soll das gut gehen?“